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Aus Freude am Spiel

Geschichte der Fußballabteilung des TVK anlässlich des 150-jährigen Bestehens des TVK im Jahr 2012
von Tilmann Gangloff

Im Fußball ist alles möglich, aber so etwas hat es selbst in der reichhaltigen Geschichte dieser Sportart vermutlich noch nicht allzu oft gegeben: Ein Team holt den Titel und verlässt anschließend geschlossen den Verein. 1996 war das, als die dritte Mannschaft des FC Wollmatingen als amtierender Meister zum TV Konstanz wechselte. Zur 150jährigen Geschichte des Turnvereins mag die Fußballabteilung also gerade mal gut ein Zehntel beigetragen haben, aber die Wurzeln des Teams sind älter als einige der heutigen Spieler. 1984 war die Mannschaft aus einem Hobbykick hervorgegangen und hatte sich in der Kreisliga C recht bald großen Respekt erspielt. Das Team wurde zwar gern als „Studententruppe“ verspottet, stand aber für technisch hochwertigen Fußball, viele Tore und sportliches Auftreten. Nach zwölf Jahren gelang 1995/96 die erste Meisterschaft: mit den meisten geschossenen Toren, den wenigsten Gegentoren und acht Punkten Vorsprung.

Die Meistermannschaft der Saison 1995/96 im Mai 1996 beim letzten Spiel auf dem Fürstenberg-Sportplatz in Wollmatingen.

hintere Reihe: 
Schiedsrichter, Fabian Glasen, Ralph Hoppe, Christoph Nölle, Thomas Bohnet, Michael Kögel, Erik Hänel

vordere Reihe: 
Jarek Stawarz, Dirk Zluhan, Tilmann Gangloff, Hansjörg Waldraff, Michael Stauß, Harald Springsguth, Christian Dier

Das Durchschnittsalter der Mannschaft lag da bereits jenseits der 30, die Schmähung „Studententruppe“ wurde längst als Kompliment begriffen. Ausgerechnet im eigenen Verein aber bekam das Team keinen Rückhalt: Die dritte Mannschaft fühlte sich wie ein fünftes Rad am Wagen. Sie musste die Trikots der zweiten Mannschaft auftragen und bei Punktspielen stets als erste auf einen Hartplatz ausweichen; eine eigene Trainingszeit gab es für sie überhaupt nicht. Nebenschauplätze wie das Waschen der Trikots oder andere schmutzige Wäsche forcierten die Überlegungen, den Verein zu wechseln. Die neue Wunschadresse war rasch ausgemacht: Kontakte zum TV Konstanz gab es schon, und die tolle Atmosphäre am Schänzle ist ohnehin stadtbekannt. Die Mannschaft wurde mit offenen Armen empfangen und stand nun in jeder Hinsicht auf ihren eigenen Beinen. Die Spieler repräsentieren selbstredend den Verein, doch die Fußballabteilung hat sich vom ersten Tag an selbstverwaltet, und das in jeder Hinsicht basisdemokratisch, von der Organisation bis zur Mannschaftsaufstellung. Einen Trainer gab es nie, Training im klassischen Sinn auch nicht; man hat sich immer nur zum Kicken getroffen.

Die Mannschaft im Sommer 1997 auf dem Schänzle.

von links nach rechts: 
hintere Reihe: Erik Hänel, Ralph Hoppe, Christoph Nölle, Andreas Lindner, Winfried Beirow, Andreas Targan, Hansjörg Waldraff 
vordere Reihe:  Dirk Zluhan, Harald Springsguth, Karoll Arkadius, Tilmann Gangloff, Ulrich Meyer, Fabian Glasen, Jarek Stawarz, Michael Stauß

Dank des regelmäßigen Trainingstermins auf dem Schänzle ergaben sich im Nu viele neue Kontakte. Der aktive Kader des Teams lag und liegt bei über zwanzig Spielern, und das muss auch so sein: Eine „erste Elf“ existiert nicht, weil wir jeden Sonntag mit anderer Aufstellung spielen. Es gab zwar all die Jahre hindurch einen harten Kern, der immer auflaufen will, aber fast alle Kicker haben Familie, viele sind selbstständig und müssen daher auch mal andere Prioritäten setzen; die einen freiwillig, die anderen notgedrungen. Und es ist nach wie vor Teil der Philosophie dieser Mannschaft, allenfalls mal sanften Druck, aber keinerlei Zwang auszuüben. Natürlich gab es immer wieder Spieler, die diese Philosophie als mangelnden Ehrgeiz betrachteten, die echtes Training wollten, nicht bloß freundschaftlichen Spaß am Spiel. Über all die Jahre hinweg aber hat sich als Motiv erhalten, was schon die „Gründervater“ vorlebten: Spaß am Fußball haben und siegen wollen; aber nicht um jeden Preis.

Dieses Credo galt auch für die Kreisliga B, in die wir 1997/98 aufgestiegen, wenn auch nur als Tabellendritter, weil den beiden Erstplatzierten der Aufstieg verwehrt war. Zwei Spielzeiten schlugen wir uns ziemlich gut, dann wanderte der Torjäger ab, und es ging zurück in die C-Klasse. Dort hielten wir uns weiterhin Jahr für Jahr in der Spitzengruppe und schafften in der Saison 2004/05 das Kunststück, den zweiten Meistertitel mit einer Mannschaft zu erringen, die im Schnitt 38 Jahre alt war. Aufstieg aber war kein Thema mehr: Die Mehrheit fühlte sich den Anforderungen der Kreisliga B körperlich nicht mehr gewachsen und zog es vor, auch weiterhin mehr Spiele zu gewinnen als zu verlieren.

Die Meistermannschaft aus des Saison 2004/2005 nach dem letzten Spiel der Saison

von links nach rechts: 
hintere Reihe: Erik Hänel, Harry Schädler, Uwe Bartsch, Andreas Widmann, Jörg Hänselmann, Michael Stotten, Jarek Stawarz. 
vordere Reihe: Dietmar Schmid, Markus Zimmermann, Andreas Marquardt, Jochen Mink, Andreas Targan, Tilmann Gangloff, Frank Heine.

Daran hat sich als Vorsatz bis heute nichts geändert; aber längst könnten nicht mehr nur vereinzelte gegnerische Spieler, sondern mindestens die halbe gegnerische Mannschaft unsere Söhne sein. In den Jahren seit der Meisterschaft haben wir weiterhin kontinuierlich vorne mitgespielt, ein erneuter Titel war mitunter in Sichtweite, und ein fünfter Platz wurde mit Verwunderung zur Kenntnis genommen; aber es ließ sich nicht länger verleugnen, dass der harte Kern kräftig in die Jahre gekommen war. Immer öfter gingen Spiele verloren, weil „die Anderen“ jünger, fitter und ehrgeiziger waren. Der „Schänzle-Kreisel“, unser auch vom Gegner bewundertes Kurzpassspiel, lebt zwar noch, aber es konnte sich nur noch entfalten, wenn die gegnerischen Teams respektvollen Abstand hielten; standen sie uns auf den Füßen, war es bald vorbei mit der Herrlichkeit.

Die Fußballmannschaft des TVK im Sommer 2007 auf dem Schänzle


Von links nach rechts
Hintere Reihe: Michael Stotten mit Maja, Christoph Nölle, Dirk Wasilewski, Gunter Fritz., Martin Leute, Frank Heine, Markus Zimmermann, Uwe Walentin, Andreas Widmann, Andreas Targan, Martin Kadner, Tom Reinberg, Uwe Bartsch, Patrick Braun, Fabian Glasen 

Untere Reihe: Robert Targan, Benjamin Teichmann, Tilmann Gangloff, Jochen Mink, Thomas Buck, Armin Brack, Bernhard Herzog, Peter Oetken.

Als klar war, dass wir die Hinrunde der Saison 2011/2012 auf einem für uns indiskutablen Tabellenplatz beenden würden, setzte sich die Erkenntnis durch, dass der Umbruch der Mannschaft überfällig ist. Der Anstoß kam interessanterweise vom „Ältestenrat“, die Jüngeren sahen gar keinen Handlungsbedarf; oder sie waren zu höflich, das offen auszusprechen. Unbestreitbare Tatsache war dennoch, dass es unserem Spiel nicht gut tut, wenn zu viele von uns „alten Säcken“ dabei sind. Mehr als drei Routiniers sind offenbar zu viel. Wir beschlossen daher, uns im Rahmen einer Übergangsphase zurückziehen und die Mannschaft bloß noch punktuell zu ergänzen. Das ging natürlich einher mit zwei Voraussetzungen: Wir brauchten junge Verstärkung; und die Spieler, die bis dahin eher unverbindlich mitgewirkt hatten, mussten ein klares Bekenntnis abgeben und mehr Verantwortung übernehmen, nicht nur auf dem Platz, sondern auch hinter den Kulissen, denn getreu der Devise „Ganz oder gar nicht“ stellten wir Älteren - Andreas Targan als Kassenwart, Michael Stotten als Coach und ich selbst als Chronist und Kapitän - auch unsere Ämter zur Verfügung. Der Übergang verlief nicht ganz so reibungslos wie von uns erhofft, auch in der Rückrunde hagelte es zunächst Niederlagen. Aber die Spiele, in denen die Wunschformation auf dem Platz stand (punktuell ergänzt um Ältere, die es nicht lassen konnten), sahen wieder nach dem Fußball aus, der uns vorschwebt: flottes Kurzpassspiel, Pressing und dadurch Balleroberung schon in der gegnerischen Hälfte, so dass sich die Defensive mit ins Offensivspiel einschalten kann.

Und selbstredend geht man nie ganz. So lange die Füße uns noch tragen, finden wir uns beim Training ein (einige allerdings nur bei schönem Wetter), und sonntags werden wir am Spielfeldrand stehen und uns einig sein, dass wir ganz anders, viel schöner und vor allem erfolgreicher gespielt hätten.

Die Fussballmannschaft des TVK im Mai 2012 auf dem Schänzle


Hintere Reihe: Fabian Glasen (Betreuer), Andreas Widmann, Giacomo Rostirolla, Martin Kadner, Julius Damrau, Dirk Bokalawsky, Michael Stotten, Sascha Naecke, Dominik Rudolph, Markus Konrad, Mathias Diete.

Vordere Reihe: Ralph Sailer, Tilmann Gangloff, Jochen Mink, Bernhard Herzog, Markus von Albedyhl, Erwin Steib.

Zum Kader gehörten außerdem: Michael Blaich, Armin Brack, Thomas „Tom-Tom“ Buck, Gunter Fritz, Frank Heinrich, Florian Leinberger, Andreas Marquardt, Peter Oetken, Theo „Tom3“ Rau, Andreas Targan.

Tilmann Gangloff stieß 1990 im zarten Alter von 31 Jahren zum FC Wollmatingen, war einer der Gründerväter der Fußballabteilung beim TV Konstanz und führte die Mannschaft als Käpt’n Till von 2002 bis 2012.

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